fairgoods & Vegginale in Hannover – 02.04.2015

Ich brauchte neue Schuhe und da ich von Barfuß-Schuhen so begeistert bin, habe ich das Angebot von meinen Lieblingsanbietern durchforstet und bei meinem Favoriten Leguano das neue geniale Model “aktiv” entdeckt. Die andere Marke ist Vivobarefoot.
Bei einem Besuch in Leipzig habe ich das Model “aktiv” im Leguano Shop in der Innenstadt ausprobiert und mit erstaunen entdeckt, dass ich statt wie für gewöhnlich Größe 40 in den Schuhen Größe 38 benötige. Ich habe sie nicht gleich mitgenommen, denn der Ladenpreis von 140 € lässt mich zwei Mal drüber schlafen. Da ich wusste, dass Leguano auf Messen besondere Angebote anbietet, schaute ich mir die Messetermine an und entdeckte, dass demnächst (02.-03.04.2016) in Hannover auf der Vegginale es einen Stand von Leguano geben wird. Für die Preisersparnis würde ich dann noch einen Besuch der Messe obendrein bekommen und vielleicht andere tolle Dinge entdecken und erleben, und so kam es, dass ich einen Besuch der Vegginale plante.

Vorbereitung  Bevor ich eine Messe besuche, wäge ich immer anhand der Aussteller-Liste und des Programms ab, ob ich sie besuche. Natürlich schaue ich mir auch die Preise an. Die Vegginale findet in Kombination mit der fairgoods-Messe im schönen Hannover Congress Centrum (HCC) statt. Mit einem online Ticket kostet der Eintritt 7 € und an der Tageskasse 8 € pro Person. Ich durfte als Bloggerin kostenlos die Messe besuchen, worüber ich mich sehr gefreut habe. In den Tageskarten ist kein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel enthalten, was ich bei einer nachhaltig ausgerichteten Messe erwartet hätte.

20160402_110239_Gehrden_Collage Ich entschied mich anhand des Programms dafür am Samstag die Messe zu besuchen und auf dem Weg zur Messe noch einen neuen Bauernmarkt (nur Produkte aus einem Umfeld von 20-30 Km) in Gehrden zu besuchen und deshalb mit dem Auto zu fahren. Die Fahrt dorthin war sehr schön und neu für mich. Bei dem Frühlingssonnenschein habe ich das Landleben noch umso mehr geschätzt und dabei zufällig einen Radio-Beitrag beim Deutschland-Funk zum Thema Städteflucht in Frankreich gehört. Dort hieß es: “In nicht wenigen Regionen wächst die Landbevölkerung wieder spürbar.” [1] Es freut mich dies zu hören, denn bei meiner Pilger-Wanderung auf dem Jakobsweg durch Frankreich im Juli 2015 habe ich die Dörfer als sehr leer und verlassen wahrgenommen, obwohl schon da Franzosen mir von der Städteflucht berichteten.

Der Markt war klein, aber nett und immerhin gab es zwei regionale Gemüse-Stände, die für mich von Interesse waren. Im ansässigen Bio-Geschäfft Naturkost am Markt hatte ich noch weitere schöne Gemüse-Angebote entdeckt.

Weiter ging es nun direkt zum HCC. Ich hatte im Vorfeld mich schon nach kostenlosen Parkplätzen erkundet, doch keine Hinweise gefunden, doch vor Ort gab es viele freie Parkplätze in der Nähe des Haupteingangs.

20160402_120313_überblick_Collage Erster Eindruck  Als erstes kam ich in die künstlich beleuchtete Niedersachenhalle, wo die Aussteller und die Bühne der fairgoods aufgebaut war. Ich ging recht schnell durch und direkt zur Vegginale. Diese war in der hellen Glashalle eingerichtet. Hier war auch wesentlich mehr los als bei der fairgoods.

Als ich ankam und einen ersten Rundgang durch die Halle machte um einen Überblick zu gewinnen, wurde ein Vortrag mit dem Thema “Vegetarische und vegane Ernährung – So geht es richtig!” von Marina Eberhard gehalten. Als ich vorbei kam ging es gerade um B12. Der Klassiker bei vegetarischer und veganer Ernährung. Der Vortrag wurde in der Halle ohne Abtrennung gehalten so das jeder immer mithören konnte und einfach dazu kommen konnte.

20160402_121804_Leguano_Collage Leguano  Beim durch schlendern fiel mir auf, dass der belebteste Stand der von Leguano war, zumindest als ich dort war. Die Verkäuferin, die alleine den Stand organisierte, hatte sehr viel zu tun: Schuhe in der richtigen Größe und Farbe heraussuchen, Sitz kontrollieren und beraten. Ich verglich noch einmal Größe 38 und 39 und blieb bei 38. Da das Model in weiß nicht in meiner Größe vorhanden war, bestellte ich mir ein Paar zum Messepreis (129,90 €) mit kostenlosem Versand nach Hause. Die Näherinnen, die in Sankt Augustin die Schuhe in Handarbeit anfertigen, waren krank und deswegen ist es bei einigen Modellen zu Verzögerungen gekommen. Toll, dass so ein tolles Produkt in Deutschland angefertigt wird. Ich habe sogar den Kontakt bekommen um dauerhaft die Schuhe zum Messepreis zu erwerben.
Bei diesen Schuhen empfehle ich unbedingt die Größen ausprobieren und zu testen, denn ich habe mir die Leguano Ballerinas gekauft und im nachhinein denken ich, dass ich die falsche Größe ausgewählt habe (zu groß).

Schokolade und Müsli  Gleich am Eingang der Glashalle kommt man auf den Anbieter für Rohkost Schokolade und Müsli-Mischungen zu. Das junge Unternehmen ISWARI aus Tschechien bietet verschiedene Geschmacksrichtungen zum Probieren und Kaufen an. Auch auf der Homepage können die Produkte angeschaut und gekauft werden: www.iswari-superfood.de Ich finde es blöd, dass die Frühstücksmischungen immer mit Kokosblütenzucker (wird aus dem Nektar der Kokospalme hergestellt) angereichert sind.

  1. Weil wohl Kokosblütenzucker nicht unter 40 °C produziert werden kann und somit nicht roh sein kann und
  2. weil es sich bestimmt auf das Belohnungssystem auswirkt, auch wenn der glykämische Wert (gibt an, wie stark ein Produkt den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt) niedrig ist.

20160402_120957_iswari_Collage Immerhin gibt es auch eine Hafer-Linie, die ohne zusätzliche Süßungsmittel auskommt. Der Hafer der dafür verwendet wird, wird von einer Firma gekeimt und unter 40 °C getrocknet, wie mir ein Mitarbeiter auf englisch, erklärte. Von ISWARI wird dann der Hafer zerkleinert und mit den andern Zutaten vermischt und abgepackt. In Zukunft wird man auch den gekeimten Hafer einzeln kaufen können.
Spannend ist, dass ich in letzter Zeit auch mit “Müsli-Mischungen” jedoch herzhafter Varianten experimentiert habe und sowieso Nüsse, Samen und (pseudo) Getreide ankeime und trockne. Ich liege also voll im Trend. Nagut, vor noch 50 Jahren war es ganz “normal” Getreide anzukeimen und zu fermentieren bevor es gegessen wird. Denn so wird die Phytinsäure inaktiviert.

“Im menschlichen Organismus bindet Phytinsäure die lebenswichtigen Mineralien wie Magnesium, Calcium, Eisen und Zink unlöslich. Das bedeutet, dass die Mineralien nicht mehr vom Körper aufgenommen und verwertet können sondern ausgeschieden werden. Mittel- und langfristig bedeutet das ein Mineralienmangel für den Körper. Zudem blockiert die Phytinsäure die Verdauungsenzyme, die wir zur Verdauung von Eiweiß benötigen.“ [2]

Doch dann kam die Industrialisierung und alles wurde möglichst schneller und billiger produziert. Darunter litt die Qualität und Verträglichkeit.

prag Prag  Ein netter Mitarbeiter von ISWARI erstellte mir noch eine Liste von Rohkost Restaurants in Prag für meine Rohkost Restaurant Weltkarte: Raw Food Places Map by Nelli 
Ich kannte bereits einige der Rohkost Restaurants (nicht alle 100 % “roh”) doch immerhin konnte ich noch sechs ergänzen.

20160402_125444_kräuter_Collage Bärlauch  Beim Stand Wildkräuterlich auf der fairgoods entdeckte ich Wildkräuterprodukte und kam mit der Betreibern ins Gespräch. Ich wollte mehr zum Bärlauch-Trocknen wissen. Letztes Jahr hatte ich Bärlauch zum ersten Mal getrocknet und dieses Jahr daraus ein Pulver gemacht und damit Gerichte gewürzt und fand es sehr angenehm. Als ich nach Methoden fürs Trocknen vom Bärlauch (ohne meinen Dörrapparat) gesucht habe, fand ich keine brauchbaren Informationen, aber die nette Dame konnte mir von ihren Erfahrungen berichten: Bärlauch schattig zum Beispiel auf einem Dachboden auf Papier ausgebreitet zwei Wochen trocknen lassen.
Es war sogar Der Bärlauchbauer vertreten und am Stand vom Naturkost-Hotel Harz gab es eingeschweißten Bärlauch zu kaufen und Pesto zu verköstigen. Man merkt, dass gerade die Bärlauch Saison ist.

20160402_124936_harz_Collage Naturkost-Hotel Harz  Beim Stand von dem Naturkost-Hotel Harz erkundigt ich mich (auch für die Weltkarte), ob es möglich wäre nur zum Essen vorbei zu kommen. Dies ist möglich, wenn man sich 1-2 Stunden vorher telefonisch ankündigt. Ansonsten wurde mir erklärt, dass beim Frühstück Rohkost und nicht-Rohkost angeboten wird. Abends gibt es ein Rohkost Mehrgänge Menü.
Am Stand gab es rohe Apfeltörtchen, was eine ältere Dame irritierte, denn es sah nicht nach einem typischen (gebackenem) Apfeltörtchen aus. Außerdem noch Rohkost-Kracker mit Bärlauch-Pesto zum direkt verzehren.

Carrots & Cafe  Beim Stand des Zentrums für angewandtes Ernährungswissen Hannover kam ich in ein nettes Gespräch mit einer Dame, die schon 1987 viel Rohkost aß und am Rande bemerkte, dass Männer Rohkost besser vertragen als Frauen und dass man mehr essen müsse um ausreichend mit Nährstoffen versorgt zu sein, wenn man Rohkost ißt, und deshalb ist sie von Superfoods (“liefert von einem bestimmten oder von mehreren Nähr-, Wirk- oder Vitalstoffen eine sehr grosse Menge und deutlich mehr als die üblichen Nahrungsmittel” [3]) begeistert. Sie erklärte mir, dass es im Carrots & Coffee (in Hannover) einen

  • Rohkost,
  • Ayurveda,
  • Low Carb,
  • 5-Elemente und
  • Basen-Teller

täglich gibt. Außerdem eine riesen Auswahl an rohköstlichen Energiekugeln. In Zukunft soll es auch vermehrt Rohkost-Torten geben.

20160402_132947_park_Collage 20160402_120700_möbel_Collage Nach dem ich noch eine Runde in der fairgoods-Halle absolviert habe, bin ich nach draußen in den unmittelbar angrenzenden Stadtpark gegangen und habe auf einer Wiese die wunderbare Sonne genossen.

Nach der Pause in der Sonne ging es zum Vortrag: Ernährungstrends im Check: Mythen, Fakten und Fiktion von Trends wie Low Carb, Paleo und Rohkost mit Niko Rittenau um 16:00 Uhr.

Niko Rittenau (http://nikorittenau.com) ist Koch und Ernährungsberater aus Österreich, der auch eine Rohkost-Zubereiter-Ausbildung bei Matthew Kenney absolviert hat. Außerdem ist er ärztlich geprüfter Ernährungberater aus der Schule von Barbara Miller in Berlin (Rohkost Ausbildungen)  Er hat in einem mitreißenden und unterhaltsamen Vortrag viele verschiedene Ernährungstypen auf eine einfache und verständliche Art und Weise auseinander genommen. Ich kann definitiv die Vorträge von ihm empfehlen. Hier ein informatives Interview mit dem Referenten: „Du bist was du verdaust“ //Gesundheit neu definiert// Niko Rittenau//The Better Plate

Hier meine Notizen vom Vortrag:

  • “Wenn du etwas nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden” Albert Einstein
  • Er rät von 100 % Rohkost, wenn sie Früchtebetont ist, in unseren Breitengeraden ab.
  • Viele Rohköstler halten an dem Gedanken “natürliche Ernährung” fest, obwohl sie diese nicht vertragen.
  • Clean Eating: Woher kommt das Essen? Wie wurde es behandelt (bio)? Was steckt drin? Eine gute Richtung, die nichts darüber sagt was man ißt.
  • Zelluläre Sättigung (geprägt von Christian Opitz) ist sehr wichtig.
  • Da wir heute nicht natürlich leben, brauchen wir auch nicht natürlich zu essen.
  • Wenn wir nicht so leben wie Höhlenmenschen, dann brauchen wir auch nicht so zu essen.
  • 5-6 % derMenscheit kommen gut mit der Rohkost zurecht.
  • Jeder sollte auf den besten Ernährungsberater der Welt hören: sich selbst.
  • Pflanzenbasiert bedeutet nicht gleich vegan und sollte jeder anstreben.
  • Was hält uns am Leben? Glucose.
  • Seit den Ägyptern/seit Brot produziert wurde, wird Getreide gekeimt und fermentiert. Seit 50 Jahren wird dies nicht mehr getan.
  • Eine qualitative hohe Ernährung ist günstig nur vegan machbar, denn tierische Produkte in bester Qualität sind sehr teuer.
  • Man kann sich mit B12 nicht überdosieren.
  • Paleo Ernährung ist heute kaum möglich, denn die entsprechenden Produkte stehen nicht zur Verfügung. Nicht für die ganze Welt umsetzbar. Zumindest lokal und regional und bei Fleisch-Konsum wird das ganze Tier gegessen und nicht nur Filet-Stücke.
  • Atkins-Diät viel zu fettreich. Mit Öl/isolierten Fetten wird der natürliche Instinkt übergangen.
  • Low-Carb für Bodybuilder interessant, jedoch anfällig für schlechte Laune.
  • 801010 (Fruchtbasiert): Für unsere Breitengrade ungeeignet, denn die Früchte werden unreif geerntet und verlieren an Nährstoffen. Außerdem zu viel Fruchtzucker was die Leber überfordert. Führt zu einer Fettleber.
  • Jeder der einem einredet, dass in Bierhefe, Hefeflocken, Sauerkraut, fermentierten Produkten, Algen, Sandorn bioverfügbares B12 enthalten ist, sollte verklagt werden.
  • Würden wir natürlich leben, würden wir auch mit B12 versorgt sein (Wildkräuter).
  • Schlechter Schlaf, Depression, Gereiztheit und anderes können auf einen B12 Mangel hinweisen.
  • Fleischesser können selbst Vitamin C produzieren.
  • Niko Rittenau empfiehlt die Ernährungspyramide der China Study.
  • “Iss nichts, was du nicht magst, aber iss nicht alles, was du magst” Swami Sivananda

20160402_161521Toll finde ich auch sein Engagement in Richtung richtiger Zubereitung zu der auch das Keimen gehört: Niko Rittenau & Welt Vegan TV – Alles über das Keimen Teil 1 von 2 Er schreibt gerade an einem Buch “Keimzeit”, das im ersten Quartal 2017 zu dem Thema “Wie können Brot, Pasta und Gebäck wieder gesund gemacht werden” erscheint.

Ich habe nach dem Vortrag noch eine gute Bekannte getroffen, die wie Niko Rittenau gerade die Ausbildung bei Matthew Kenney macht, jedoch online, was wohl wesentlich günstiger ist. Sie erzählte mir etwas von Matthew Kenneys Lebenslauf, empfahl und lieh mir sogar sein Buch “Cooked Raw” (Amazon).

Es war ein schöner Tag auf der Vegginale und hoffentlich wird die Messe an Größe wachsen.

Quellen
[1] Frankreich entdeckt das – LandlebenVive la campagne! 
[2] Warum man Nüsse, Samen und Getreide einweichen soll
[3] Die Liste mit den 15 besten Superfoods

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