Unsicherheit verwandeln – Port Said

Am 06.11.2014 vormittags steuerten wir den Hafen Port Said in Ägypten an. Dieser neue Hafen liegt recht weit von der Stadt entfernt und hier werden von der Pacific Link circa 1600 “Moves” (englisch für: Bewegungen) durchgeführt. Damit ist das Ab- und Entladen des Schiffes gemeint. Um die 6000 Container werden abgeladen und ungefähr 1000 Container werden aufgeladen. (Dafür nur 1600 Moves? Vielleicht habe ich da etwas verwechselt.) Für den frühen Morgen des 08.11.14 war unsere weiterfahrt geplant.

2014-11-06 - Pacific Link - Ägypten (4)Einfahrt in den Hafen
Ich habe das erste Mal erlebt wie die Pacific Link anlegte und es war beeindruckend wie ein solch großes Schiff exakt an einer Stelle fest macht, die für das Schiff vorgesehen und vorbereitet ist. Damit dies reibungslos funktioniert, kam mit einem kleinen “Pilot”-Schiff ein so genannter ortskundiger “Pilot” an Board, der das Schiff in den Hafen steuerte. Doch bevor der Pilot an Board kam, wurde nach einem Dankschön von der zwei Mann starken Besatzung für das Abliefern des Piloten verlangt.

 

2014-11-06 - Pacific Link - Ägypten (2) Mein Einsatz
Als das kleine Schiff immer näher kam, schaute der Kapitän nach dem Rechten und nach einem Blick von der Brücke zur Anlegestelle folgerte er wohl aus dem Geschrei, dass hier ein kleines Dankeschön verlangt wird und bat mich dann darum in seiner Kabine, die sich ein Deck tiefer befindet, zwei Stangen Zigaretten zum Upp Deck zu bringen. Ich beeilte mich sehr und vergaß sogar die Schuhe vor dem betreten des Zimmers auszuziehen und schnappte mir, nach einer kleinen Suche, zwei Stangen Marlboro und lief acht Stockwerke tiefer und übergab dort einem wartenden Besatzungsmitglied die zwei Stangen, der sie wohl an die Chauffeure weitergab. Bei meiner Rückkehr ans Nav Deck (Navigations-Deck) merkte ich wie gut meine Entscheidung war zu Fuß zu laufen, denn der Fahrstuhl wurde auf dem Upp Deck festgehalten und hätte dieses Stockwerk nicht verlassen. Ich nehme an, dass dies aus Sicherheitsgründen gemacht wird. Falls gefährliche Leute an Deck kommen kann so die Besatzung auf dem Upp Deck schnell verschwinden.
Der Pilot kam dann ans Deck und alles lief reibungslos weiter. Ich war froh und auch etwas Stolz etwas helfen zu können und an einem kleinen Abenteuer teil zu haben.

Vorüberlegungen
Schon bevor wir in den Hafen einfuhren habe ich mir Gedanken dazu gemacht was ich wohl am besten anziehen soll und welche Verhaltensweisen ich wohl am besten vermeide in einem arabischen Land. Ich entschloss mich dazu eine Leggings, ein dünnes Langarmshirt und mein Kleid mit dem längsten Rock, den ich dabei hatte, und minimalsten Ausschnitt zu tragen. Mein Haar trug ich zu einem Dutt und auf das Upp Deck durfte ich nur mit einem roten Helm.   

Spaziergang an Deck
Auch im Hafen hatte ich vor meinen täglichen Spaziergang zu machen und entschied mich dazu um 14 Uhr los zu gehen. Im Vorfeld hatte ich noch den Rat des ersten Offiziers eingeholt und mich entschlossen auf der Sonnenseite hin und her zu gehen, die vom Hafen weg gelegenen Seite. Hier war noch einiges los und einige Hafenmitarbeiter waren hier positioniert zum Aufpassen.
Zu beginn meines Spazierganges war ich noch etwas unsicher, doch als mich alle nett grüßten und eher versuchten meine Aufmerksamkeit zu erhaschen und ich nach der dritten Runde mit einem Hafenmitarbeiter ins Gespräch kam, beruhigte ich mich.
Insgesamt unterhielt ich mich mit zwei Gesprächspartner aus Ägypten und beide waren sehr nett und höflich und fragten sich welche Arbeit ich wohl auf dem Schiff verrichte. Ihr englisch war gut, so dass wir uns gut unterhalten konnten. Innerlich geschmunzelt und erschreckt habe ich mich, als der erste Kommentar bezüglich meiner Herkunft “Germany” über Hitler war. Offenbar ist er hier bekannt und wird mit Deutschland assoziiert. Unbehaglich wurde mir, als ich gefragt wurde, ob ich verheiratet sei und ob ich mit meiner Familie reise. Beides sehr ungewöhnlich für die ägyptische Bräuche. Ich wurde aufgeklärt, dass in Ägypten Frauen spätestens mit 18 oder 19 Jahren verheiratet werden. Dies bestärkte meine Überlegung mich selbst zu heiraten und zukünftig einen Ring zu tragen, um in solchen Situationen mich sicherer zu fühlen.
Im weiteren Gespräch erfuhr ich, dass der Hafenmitarbeiter 34 Jahre alt ist, zwei Frauen geheiratet hat und drei Kinder hat, einen langen Arbeitstag hat– von 7 bis 19 Uhr – und täglich mit der Fähre 1 bis 1,5 Stunden aus der Stadt zum Hafen fährt. Die letzte Information könnte sich noch später für mich als brauchbar erweisen. Er fragte zum Abschied noch nach meinem Facebook- und Skype-Namen und ich teilte ihm meinen Facebook Namen mit.
Mein zweiten Gesprächspartner machte ich wohl etwas verlegen, als ich auf die Frage, welches Parfum ich benutze antwortet: keines. Offenbar konnte er mich auch ohne ganz gut riechen.
2014-11-06 - Pacific Link (8)Als die Arbeit der Hafenmitarbeiter beendet war und wir uns verabschiedet haben, ging ich noch ein paar Runden in Ruhe hin und her bis ein Schiff angefahren kam und ich drei pfeifende und rufende Männer nicht mehr ignorieren konnte. Ich vermute, sie wollten, dass ich dafür sorge, die Leiter nach unten zu lassen. Solche Anfragen überlasse ich lieber den Experten und ging nach einer Stunde gehen; quatschen; neue Tiere beobachten und streicheln; Stadt und Boote bestaunen; wieder auf meine Kajüte.

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