Tief in den Dschungel: Kapit, Malaysia

Mehrmals wurde mir bei einem Schwätzchen in Sibu der Besuch der Stadt Kapit empfohlen. Besonders weil auf dem Weg dorthin mit einem Express-Boot und vor Ort das Leben der Eingeborenen beobachtet werden könnte. Dieser spannende Aspekt und die Aussicht eventuell auf dem Markt für mich neue exotische Früchte kennen zu lernen (bin irgendwie bei einer Recherche nach anderen Informationen darauf gestoßen, dass es auf dem Markt seltene Früchte zu finden gibt: Sarawak fruits part 2: Kapit), haben mich den vielen unterschiedlichen Empfehlungen folgen lassen.
Ohne Empfehlungen hatte ich der Stadt keine Beachtung geschenkt, weil der Ort sich – gefühlt – tief im Dschungel befindet und einen Umweg bedeuten auf meiner Route entlang am Meer über Brunei auf die Philippinen zu zu steuern: Kein Flugzeug und keine Straße führen nach Kapit,wo 15.000 Menschen leben. Mit Booten ist die Stadt über den Rejang River, dem längsten Fluss in Malaysia, zu erreichen. Die Express Boote starten stündlich im Zentrum von Sibu und brauchen zweieinhalb Stunden. Die “Economy Class” kostet 25 RM (5,86 €) und ganz naiv kaufte ich mir ein solches Ticket am Morgen des 16.01.2015.

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Derzeit gibt es wohl Uneinigkeit darüber, ob Kapit an das Straßensystem angeschlossen werden soll. Einige Anwohner sind dagegen, weil sie erwarten, dass mit der Straße auch verstärkt krimineller Einfluss aus Sibu in die Stadt kommt.  

Mit dem Boot auf dem Rejang
Am Hafen konnte ich mir spontan eine Karte für das nächste Boot (9.30 Uhr) kaufen. Mein Rucksack wurde auf dem Dach verstaut und ich setzte mich auf meinen Platz (22 B). Die Kabine war völlig einwandfrei und ich wunderte mich noch, warum dies als “Economy Class” angesehen wurde.

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Als der Motor startete und wir losfuhren, fand ich heraus was die Economy Class von der Zweiten und Ersten Klasse unterscheidet: Der Geräuschpegel. Eine Reihe hinter mir und durch eine Toilette getrennt, heulte der Motor um uns mit einer Geschwindigkeit von 55 km/h nach Siba und anschließend nach Kapit zu bringen. Ich habe nicht einmal versucht mein Hörbuch (mittlerweile bin ich bei Band 2 “Saphirblau” angekommen) weiter zu hören und war froh mein Tagebuch im Handgepäck dabei gehabt zu haben, um eine kleine Beschäftigung zu haben, wenn ich mich an der Aussicht satt gesehen habe. Den zwei Filmen, die während der Fahrt gezeigt wurden, schenkte ich wenig Beachtung. Offenbar hat man in Malaysia eine Vorliebe für gewalttätige Filme und zuerst lief Gangster-Film danach ein Box-Film, indem wieder viele Menschen gewaltsam ums leben kamen. Der Lärm in der Kabine und die unschönen Bilder vom Film können jedoch nicht gar so schlimm gewesen sein oder ich habe mich schnell daran gewöhnt oder ich war so müde, dass ich sogar kurz in meinen Schal eingewickelt eingenickt bin.
Die Aussicht während der Fahrt war wenig Abwechslungsreich: Hauptsächlich fuhren wir an Dschungelgebiet vorbei, das vereinzelt von Häusern und “Longhouses” unterbrochen wurde.

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Ankommen
In Kapit angelegt, verunsicherte ich mich durch die Beobachtung von vermeintlichen anderen Touristen, die mit leichtem Gepäck unterwegs waren und offenbar bloß einen Tagesausflug in die Stadt machten: “Lohnt sich ein Besuch hier wirklich oder verschwende ich meine Zeit hier?”.

Schlafplatz Suche
Ich machte mich auf die Suche nach einem Hotel und orientierte mich an den Empfehlungen vom “Lonely Planet” und der Stadtkarte. In vier Hotels erkundigte ich mich nach einem Zimmer und im “Fully Inn” fand ich ein angenehmes Zimmer mit Ausblick auf den Fluss und mini Balkon (praktisch für die Aufbewahrung des Mülleimers) für 55 RM (12,90 €) die Nacht. Die anderen Hotels waren bereits ausgebucht. Ich nahm etwas wiederwillig das Zimmer, weil ich mit einem günstigeren Angebot gehofft hatte, aber wenn ich vollbepackt bin, dann tendiere ich dazu den kürzesten und einfachsten Weg zu wählen. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich das Zimmer genommen habe:

  • Schöner Ausblick
  • Viel Licht und Luft, weil ich Balkontür und das Fenster öffnen konnte
  • Großes Zimmer
  • Sauber
  • Wenig oder gar keine anderen Gäste = ruhig

An dem Zimmer habe ich das Badezimmer und die Matratze zu bemängeln: Der Duschstrahl war ein kleiner Niesel und auf Federkernmatratzen halte ich es selten aus. Den Duschstrahl unterstütze ich, inspiriert durch einen Mann auf einem uns entgegenkommendem Boot, der sich mit einem Behälter Wasser über den Körper kippte und sich dadurch wusch, durch zusätzliche Ausgüsse aus meiner sehr praktischen Dose. Der Federkernmatratze entfloh ich durch ein gemütliches Nachtlager unter dem Fenster auf dem Boden, wie ich es das letzte mal in Italien beim “Couchsurfing” tat. Ich freute mich regelrecht über die Ausrede auf dem Boden zu schlafen, um meinem Rücken wieder etwas gutes zu tun. Jedoch habe ich durch diese Erfahrung gelernt bei meiner nächsten Zimmer Beschauung vor der Entscheidung die Matratze zu testen, denn die unangenehme Matratze viel mir erst nach einer ungemütlichen Stunde mit meinem Laptop auf dem Schoss auf. 
Ist es ein Vor- oder ein Nachteil, dass es im Hotel kein WiFi gibt? Ein Vorteil, denn ich war froh, dass ich wieder mal eine schöne WLAN-Strahlungs-Pause hatte. Im Moment schätze ich es hin und wieder im Internet zu surfen und kann sehr gut für mehrere Tage eine Pause machen, weil ich mitthilfe kurzer Abfragen über mein Handy weiterhin meine E-Mails lesen kann.  

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Überblick verschaffen
Aus dem Hafen gekommen, habe ich mir zuerst einen Überblick auf der Stadtkarte verschafft.

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Die Stadt ist sehr überschaubar und schnell erkundet. Der essenzielle Markt lag zentral in der Stadt und ein kleiner Jahrmarkt war auf dem “Town Square” aufgebaut.

Nachdem ich meine Sachen im Hotel abgelegt hatte, machte ich mich auf eine Erkundungs- und Touristentour durch die Stadt zu machen. Zuerst einen Schlenker über den Markt auf der Lauer nach neuen Leckereien und dann in Richtung der zwei Touristischen Attraktionen “Fort Sylvia” und “Kapit Museum”. Das Fort fand ich sehr schnell. Es befindet sich schräg gegenüber vom Hafen.

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Innen befinden sich zwei kleine Ausstellungen. Eine über “Amber” und dann noch etwas über die lokale Geschichte. Einen roten Faden konnte ich kaum erkennen. Ich wunderte mich auch wieder Mal, warum keine Fotos gemacht werden durften in Museen. Darauf bestand der Mitarbeiter hier besonders. Gäbe es einen Ausstellungkatalog oder dergleichen, könnte ich dies noch eher nachvollziehen, aber dergleichen gab es nicht. Ich wäre froh, wenn Gäste so begeistert und angetan wären, dass sie sich die Mühe machen und Fotos schießen, um ihr neues Wissen auf diesem Wege mit anderen zu teilen und sich selbst daran zu erinnern.

Das “Kapit Museum” habe ich nach zwei Versuchen es zu finden aufgegeben. Nach der etwas enttäuschendem Ausstellung in “Fort Sylvia” hatte ich keine Lust mehr Energie in einen Besuch zu investieren. im Nachhinein habe ich gemerkt, dass ich wohl beim zweiten Versuch davor stand, denn es befindet sich im “Civic Center”. Doch da “hoher” politischer Besuch da war, war mir zu viel vor Ort los um planlos nach dem Museum zu suchen.
Über die Geschichte Kapits konnte ich hier mehr erfahren: Kapit, Sarawak – A small town by the Mighty River of Rejang, Sarawak, Borneo 

Projekt “Longhouse”
Das erste mal habe ich in einem Museum in Kuching von der Existenz von so genannten “Longhouses” gehört. Ein “Longhouse” ist quasi ein Dorf unter einem langen Dach oder anders ausgedrückt in einem langen Haus, das Einheimische bewohnen.
Um ein solches Haus zu besuchen hatte ich vor zum “Kapit Resident’s Office” zu gehen und mich dort nach einer Tour oder anderen Möglichkeiten zu erkundigen. Aber oft kommt es anders, als ich es mir denke.
Während meines ersten Besuchs auf dem Markt entwickelte sich ein Gespräch mit einem entspannten und aufgeschlossenem Herren. Zuerst kam es mir so vor als wäre es das klassische kurze neugierige Gespräch “Where are you from? Are you studing?” und so weiter. Der Herr erzählte dann vielmehr in einem Nebensatz, dass es hier “Longhouses” zu besuchen gibt und daraufhin sagte ich – zu meiner eigenen Verwunderung – “Ja, dass weiß ich und da will ich auch gerne hin, aber ich weiß nicht wie.” Schon als ich diesen Satz aussprach wunderte ich mich darüber. Für gewöhnlich hätte ich anders in einer solche Situation reagiert. Aber irgendetwas hat mich in dem Moment geritten, dass ich so offen meine Verzweiflung zugab, worüber ich im Nachhinein sehr froh war. Es stellte sich heraus, dass der Herr Josh heißt und Ausflüge zu den “Longhouses” organisiert und wir verabredeten uns für später in seinem Büro, das ein Tisch auf dem Markt ist, um über einen möglichen Besuch zu sprechen.
In Sibu bekam ich bereits den Tipp, dass ich von den vielen “Longhouses” in der Umgebung von Kapit das Rumah Jandok besuchen sollte, weil dies das letzte klassische aus Holz erbaute Haus sei. So erkundigte ich mich bei Josh, ob es möglich sei dorthin zu fahren und wir unterhielten uns noch darüber, ob ein Besuch und was bei einem solchen Besuch angebracht ist. Ein geführter Besuch für mich alleine hätte 300 RM (70 €) gekostet und mir fiel es schwer das Angebot anzunehmen. Zum Glück, denn während wir uns noch weiter unterhielten, sah ich auf der anderen Straßenseite ein deutsches Pärchen, dass ich aus Sibu kannte und ergriff die Chance um Hallo zu sagen und ihnen von meinem Vorhaben zu erzählen und sie einzuladen sich Josh und mir anzuschließen. Das Rentner-Pärchen war interessiert an der Tour und wir konnten mit Josh ausmachen, dass wir am kommenden Tag um 07.30 Uhr zu dem “Longhouse” aufbrechen und jeder bezahlte 185 RM (43 €). Ich habe mich riesig darüber gefreut, dass das alles so reibungslos geklappt hat und sah mit Spannung und Vorfreude dem nächsten Tag entgegen.
Mehr zu dem “Longhouse”-Besuch könnt ihr in einem anderen Beitrag erfahren.  

Pasar Teresang
Der Markt Kapits wird auch “Pasar Teresang” genannt und ist ein sogenannter “Wet Market”. Soweit ich gesehen habe ist hier von morgens sieben Uhr bis abends sieben Uhr immer etwas zu erstehen.

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Ich habe auf dem Markt ein paar neue Entdeckungen gemacht: Eine Drachen-Ähnliche gelb-grüne Frucht. Leider hatte ich verständigungsprobleme mit der Verkäuferin und bin noch unsicher ob es sich hierbei um eine süße oder saure Frucht handelt. Irgendwelche Tipps? Ich halte weiter Ausschau.

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Dann fand ich noch mini Früchte, die eine Art Litschi zu sein scheinen. Die Frucht schmeckte süß, aber ein Beigeschmack hatte mir weniger gefallen.

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Außerdem sah ich noch eine andere hell größere Frucht, die für mich sehr unreif aussah. Vielleicht versteckte sich hier eine potentiell leckere Frucht. Ich konnte wieder hier nicht herausfinden, was es mit diesem Etwas auf sich hat. Bei solchen Verständigungsproblemen bemerke ich, dass ich zu wenig Energie investiert habe mehr malaysisch zu lernen. Ich habe einmal versucht ein paar malaysische Vokabeln zu behalten, um mich besser unterhalten zu können und Respekt zu zollen, doch da ich ansonsten immer auf englisch angesprochen wurde, hat sich mein Bemühen auf das raus schreiben mir wichtig erscheinender Begriffe beschränkt.     

Ansonsten war ich etwas geknickt, weil die Auswahl mir so klein und wenig ansprechend vorkam. Dennoch bin ich auch hier auf meine Kosten gekommen: Cempedak (6 RM), Tarap (8 RM), Pulasan (3 RM), Rambutan (2 RM), Ananas (1 RM), Dattel-Bananen (2 RM), Gurken (1 RM), Karotten (2 RM), Dabai (3-7 RM pro Dose) und grünem einheimischen Gemüse (2 RM). Auch hier gab es auch Duriane, Papaya, Langsat und bestimmt noch mehr tolle Sachen, die ich aufgrund körperlichem Desinteresse übersehen habe.

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In Kapit habe ich mit viel Vergnügen Dabai-Früchte von verschiedenen Verkäufern zusammen mit Gemüse und Algen als Abendmahlzeit probiert. Diese kleinen schwarzen Früchte, die mich an Safus erinnern, sind erst essbar wenn sie für eine Weile in warmem Wasser lagen. Dazu habe ich im Hotel in meine Thermoskanne (das letzte Mal in Italien genutzt; hatte schon mal mit dem Gedanken gespielt mich von ihr zu erleichtern) im Wasserkocher erhitztes Wasser in der Hotel-Rezeption füllen lassen und in meiner Dose mit Flaschen-Wasser auf eine für meine Finger angenehme Temperatur vermischt und dann die kleinen harten Früchte darin eingelegt. Wenn das Wasser zu stark abgekühlt ist, habe ich wieder warmes Wasser nachgeschenkt bis die Früchte weich waren. Auf dem Markt wurde ich von der liebreizenden Verkäuferin darauf hingewiesen, dass es wichtig sei nicht kochendes Wasser zu nehmen, sonder warmes Wasser. So oder so bemühe ich mich das Wasser auf angenehme 40 °C zu bringen, um die hübschen Eiweiße möglichst intakt zu erhalten. Zum Verzerren halbiere ich die Früchte, entferne den Kern und sauge das hellgelbe Fruchtfleisch aus. Oder ich schäle eine kleine Stelle oder die ganze Frucht um an das Innere zu kommen. Der Geschmack erinnert mich je nach Sorte an Oliven und Karotten. Es ist schön cremig und eher herzhaft.     

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Übrigens ist die Bezeichnung Thermoskanne ein Produktname des Herstellers Thermos. [1] Hat sich wohl genau so in unsere Sprache (zumindest meine) eingeschlichen wie Tempo für Taschentücher. Korrekt heißt es wohl Isolierkanne.

Sonntags-Markt
An den Wochenenden ist noch mehr auf den Märkten los, weil einige ihre Produkte aus dem Garten zusätzlich verkaufen. Besonders am Sonntag ist dies bemerkbar.
Auf dem Sonntagsmarkt in Kapit habe ich gekeimte Kokosnüsse, eine saure Frucht und gelb-grüne Pulasan (sehr wohlschmeckend) entdeckt.

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Auch auf dem Sonntags-Markt in Sibu war auch einiges mehr los. Ich entdeckte nichts für mich unbekanntes im Angebot während meines kurzen Besuchs. 

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Abschlussbemerkung
Der Aufenthalt in Kapit bleibt mir in positiver Erinnerung besonders wegen der Aktivitäts-Verteilung in der Stadt: Tagsüber pulsiert das Leben in der Stadt und alles ist sehr geschäftig. Abends (18.00 Uhr) scheinen die vielen Menschen nach Hause (außerhalb der Stadt) zu gehen und eine friedliche Ruhe kehrt in die Stadt ein. Ich kann das gezirpe der Insekten hören und es ist vornehmlich dunkel des Nachts.     

Quelle
[1] Wikipedía: Isolierkanne

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