Achtung Piraten?

Bereits bei der Planung meiner Schiffsreise wurde ich mit dem Thema Piraten konfrontiert, denn das Gebiet im Golf von Aden und die Gewässer in Südostasien sind heute noch bekannt für Piraterie.

Vorab Sondierung
Ich informierte mich und bekam von den unterschiedlichsten Agenturen die Auskunft, dass das Frachtschiff zu groß und zu schnell ist und Piraten wenig bis keine Chance auf das Schiff zu gelangen haben. Trotzdem werden an Board strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Alle Passagiere unterschreiben eine Erklärung, dass sie über die Lage informiert wurden und alle Anweisungen an Bord genau befolgen, um kein Risiko einzugehen. Sicherheit wird groß geschrieben und es fährt auch oft Sicherheitspersonal mit.

Außerdem hörte man derzeit über die Mainstream Medien nichts zu dem Thema und auch die Reedereien meldeten zu dem Zeitpunkt nichts auffälliges. Obwohl jede Woche aus der deutschen Reederei ein Frachtschiff durch den Suez Kanal und den Golf von Aden passiert.

Ich las und schaute mir noch Dokumentationen zu dem Thema an wie zum Beispiel “Die Gefährlichsten Piraten der Welt” an und war zwar erschüttert über den Bericht, von meinem Vorhaben konnte es mich jedoch nicht abbringen.

Auswirkungen an Board
Bei den diversen Sicherheitseinweisungen wurde ich instruiert für den Ernstfall. Mitterlebt hat zum Glück keiner der Mannschaft einen Überfall, die Gefahr wurde jedoch ernst genommen.
Sollte ein verdächtiges Schiff – es werden kleine schnelle Boote erwartet – sich nähern so wird ein Alarm ausgelöst, der die gesamte Besatzung dazu aufruft sich in einen sicheren Raum im Schiff zu versammeln, der verbarrikadiert werden kann. Der Alarm bewirkt auch, dass umliegende Schiffe und die Reederei über die Notsituation informiert werden.

Ein U-Boot im Suez Kanal

SAM_0132

U-Boot

SAM_0114 IMG_20141108_102952  SAM_0134

Ich dachte erst, dass ich mich verguckt habe, aber auch beim zweiten Blick fuhr an unserem Schiff tatsächlich ein U-Boot vorbei. Es fuhr zusammen mit einem grauen Militärschiff zusammen mit uns durch den Suez Kanal. Wohl zum Schutz der anwesenden Schiffe.

Suez Kanal

Suez Kanal

Security Level 2
Ab dem Suez Kanal wurde unsere Sicherheitsstufe “Level 2” erhöht. Für mich bedeutete dies, dass ich nun (wie ich es sowieso bereits schon die gesamte Fahrt über tat) mich auf dem Nav-Deck an- und abmelden sollte, wenn ich zum Spazieren auf das Upp-Deck ging, damit bei einem (Piraten-)Alarm der Kapitän über meinen Standort informiert ist. Ab Jedda (Saudi-Arabien) wurde die Anweisung verschärft und ich sollte ab nun (11.11.14) auf dem Upp-Deck mit einem Walkie-Talkie spazieren gehen, um Verbindung zum Nav-Deck halten zu können. Ich war sehr froh, dass eine solche Lösung gefunden wurde, denn ganz auf meinen täglichen Spaziergang mochte ich nicht verzichten. Theoretisch hätte der Kapitän mir dies untersagen können, denn ich habe zu beginn der Reise unterzeichnet, dass “Für die Durchfahrt der sog. „High Risk Area“ kann mir ein Zugang für Passagierrunden an Deck nicht garantiert werden und obliegt während der Durchfahrt der „High Risk Area“ der alleinigen Entscheidung des Kapitäns des Schiffes.”

Sicherheitsmaßnahmen
Erschreckt habe ich mich etwas als ich kurz nach der Abfahrt aus Jedda bemerkte, dass die Bullaugen der Außentüren mit Pappe zugeklebt wurden, so dass niemand mehr rein-, aber auch rausschauen konnte (siehe Foto 1 und 2 unten).

Dies gehörte zu einer der Sicherheitsvorkehrungen die während wir die “High Risk Area” passiert haben, getroffen wurden. Hier noch meine weiteren Beobachtungen:

  • Die Fenster wurden verhängt, damit kein Licht nachts nach außen dringen kann, um schwerer zu lokalisieren zu sein.
  • Die Außenbeleuchtung wird nicht genutzt.
  • Zugänge wurden möglichst verbarrikadiert (siehe Foto 3 unten).
  • Wasserlösch-Schläuche wurden als Wasserwerfer positioniert (siehe Foto 4 unten).
  • Auf dem Nav-Deck war 24 h eine Person damit beauftragt nach Piraten Ausschau zu halten.

IMG_20141118_164034 SAM_0178 IMG_20141118_160610 IMG_20141118_164125

Kopfkino
Ich gebe zu, dass die Thematisierung von Piraten sich auch auf mich ausgewirkt hat. Ich ertappte mich bei dem Gedanken “Locke ich eventuell bei meinen Spaziergängen Piraten an? Schließlich sind Frauen an Board eine Seltenheit und ich bin auch aus der Ferne unschwer als Frau zu erkennen.” Es kam sogar soweit, dass ich vorbeifahrende Schiffe verdächtigen wollte Tipps an Piraten weiter zu geben.
Ich beruhigte mich immer wieder und ließ mich nicht unterkriegen von Piraten (und der Vorstellung). Dennoch mied ich es in der Nähe von Jedda zum Beispiel mich auf dem Upp-Deck zu zeigen.

SAM_0164

Gefahr?
Bei meinem täglichen Besuch auf dem Nav-Deck erfuhr ich, dass von einem anderen Frachter vermeldet wurde, dass ein verdächtiges Schiff gesichtet wurde. Dies wurde auf der Reise-Karte vermerkt und wir passierten die Höhe des Punktes zwei Tage später ohne etwas verdächtiges zu sehen.
So konnte ich jedoch sehen, wie gut das Netzwerk und die Kommunikation bezüglich verdächtiger Schiffe funktioniert.

SAM_0218

Etwa Piraten?

 

Überstanden
Die “High Risk Area” haben wir nach circa zehn Tagen gut überstanden, alle waren erleichtert und alles nahm wieder seinen gewohnten Lauf auf der Pacific Link.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s